Klimaschutz - Energie

Klimaschutz - Energie  


Die Energiewende ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt, das in den nächsten Jahrzehnten zu einem nahezu vollständigen Umbau und zu einer Dezentralisierung der Energieversorgung führen wird. Wie sieht es mit der Energieversorgung von Steinfurt aus?

Die Kreisstadt Steinfurt kann ihren Strombedarf seit dem Frühling 2016 bilanziell aus der Produktion erneuerbarer Energien decken! Das bedeutet, dass auf dem Gemeindegebiet mehr Strom aus Solar, Biomasse und Wind gewonnen, als in Steinfurt insgesamt benötig wird.

Aber es gibt noch viel zu tun: Noch immer kommt ein Großteil unserer Energie in Deutschland aus fossilen Quellen wie Erdöl, Kohle und Erdgas - so auch in Steinfurt. Leider setzen eben diese viel von dem klimaschädlichen Treibhausgas CO₂ frei.

Energieverbrauch, Infrastruktur und Gebäude

Um die Energiewende im Strom- und im Wärmesektor voran zu treiben, verfolgt die Kreisstadt Steinfurt drei Ziele, die Sie unterstützen können, zum Beispiel so:

  1. Energie sparen
    • Fahren Sie kurze Strecken mit dem Fahrrad statt mit dem Auto.
    • Lassen Sie Gekochtes abkühlen, bevor Sie es in den Kühlschrank stellen.
    • Heizen Sie Ihr Schlafzimmer weniger als die restlichen Räume.
    • Bevorzugen Sie Duschen, statt Baden.
    • Nehmen Sie Lade- und Elektrogeräte von der Steckdose, wenn Sie sie gerade nicht benutzen.
    • Weitere Tipps zum Energiesparen finden Sie auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums.
  2. Energie effizient nutzen
    • Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn sich eine Fahrt mit dem Auto nicht vermeiden lässt.
    • Prüfen Sie, ob die Modernisierung Ihrer Heizanlage oder eine verbesserte Dämmung sinnvoll wäre, wenn Sie HauseigentümerIn sind. Steinfurter Tipp: Nutzen Sie die günstige und unabhängige Energieberatung der Verbraucherzentrale im Rathaus von Steinfurt. Jeden 1. Dienstag im Monat im Rathaus, Anmeldung unter: energieberatung@stadt-steinfurt.de.
    • Weitere Tipps finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW.
  3. Erneuerbare Energie nutzen und den Ausbau fördern
    • Beziehen Sie umweltfreundlichen Strom. Steinfurter Tipp: Hier bietet sich „Unser Landstrom“ der Stadtwerke Steinfurt an, der aus regenerativen und regionalen Quellen gewonnen wird.
    • Unterstützen Sie E-Mobilität: Kommt die Anschaffung eines E-Bikes oder E-Autos für Sie in Frage? Achten Sie dabei darauf, mit nachhaltigem Strom zu laden. Mehr Infos zu staatlichen Födermöglichkeiten finden Sie auf der Internetseite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.
    • Beteiligen Sie sich an regionalen Energiegenossenschaften und Windparks. Steinfurter Tipp: Schauen Sie mal bei der Bürgerenergiegenosssenschaft Steinfurt e.G. (BEGST) vorbei.

Bürger-Energie-Genossenschaft STeinfurt

„Wir gestalten die lokale Energiewende!“ Unter diesem Motto gründeten im Jahr 2014 elf BürgerInnen der Kreisstadt Steinfurt die Bürger-Energie-Genossenschaft Steinfurt (BEGST e.G.). Sie unterstützt eine vorausschauende, dem Gemeinwohl verpflichtete, regionale (Energie-)Versorgung und stärkt die regionale Wertschöpfung.

Die dezentrale Versorgung bietet ein großes Potenzial, um Wertschöpfung auf regionaler Ebene zu generieren, Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen. Jede Maßnahme, die den Energieverbrauch senkt und regionale Energieträger einsetzt, erhöht die Unabhängigkeit gegenüber globalen Entwicklungen. Und die durch den Netzbetrieb und die Geschäftstätigkeit erzielten Gewinne bleiben vor Ort.

Mit der Beteiligung durch die BEGST haben die Stadtwerke Steinfurt (SWST) den Rückkauf des Steinfurter Stromnetzes vollzogen, ein wichtiger Teil der Infrastruktur öffentlicher Daseinsvorsorge.

Die BEGST ist mit ihren fast 1.000 Mitgliedern seit Anfang 2016 mit 15 % am Stammkapital der SWST beteiligt. Sie hat hier eine Stimme im Aufsichtsrat und drei Vertreter bei Gesellschafterversammlungen. Damit gestaltet sie die Geschäftspolitik der SWST und die Energieversorgung der Kreisstadt Steinfurt direkt mit.

Die BEGST fördert:

  • eine zukunftssichere, unabhängige und nachhaltige Strom- und Gasversorgung,
  • gute Trinkwasserbereitstellung,
  • ein modernes Datennetz aus und für Steinfurt.

Vorteile für Mitglieder:

  • handeln in Verantwortung für nachfolgende Generationen durch aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz,
  • können in der Region konkret nachvollziehen, wie und wo Ihr Geld arbeitet,
  • angedacht ist eine Dividende von 2,5% bis 3,5% pro Jahr,
  • erhalten durch Bündelung der Energienachfrage einen „Genossenschaftstarif“.

Steinfurter können BEGST-Mitglied werden. Mit einer Einlage ab 500 Euro und darüber hinaus in weiteren Schritten von jeweils 500 Euro können sich Interessierte an der Genossenschaft beteiligen. Jedes Mitglied hat eine Stimme - unabhängig von der Höhe seiner Beteiligung.

Hermann Lindhof
Drei Fragen an Hermann Lindhof (Vorstand BEGST):

  1. Wie kam es zur Gründung der BEGST und wer steckt dahinter?
    Initiatoren waren der ehemalige Bürgermeister Hoge, Rolf Echelmeyer (Stadtwerke Steinfurt), Jörg Tiemann (Geschäftsführer Bürgerwindpark Hollich und Sellen) und ich. Die ersten Gespräche mit einer Idee fanden im lockeren Rahmen statt. Anschließend wurden verschiedene im Energie-Bereich tätige Genossenschaften angesprochen und zu Informations- und Erfahrungsgesprächen von uns besucht.
    Unsere elf Gründungsmitglieder Stephanie Tiemann, Martina Stienemann, Jörg Tiemann, Peter Wicher, Jan-Henrik Schulz, Peter-Paul Krass, Ulrich Schnittker, Christian Roters, Sebastian Hahn und Stefan Gasch kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und bringen ihr Know-How und ihre Begeisterung für das Thema ein.
  2. Welche Philosophie verfolgt die BEGST?
    Zweck unserer Genossenschaft ist die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder durch einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb.
    Gegenstand der BEGST ist die Planung, Errichtung und Unterhaltung von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien, der Absatz der gewonnenen Energie in Form von Strom und/oder Wärme, die Beteiligung an Unternehmen zur Energie-Produktion und Energie-Versorgung, die Unterstützung und Beratung in Fragen der regenerativen Energiegewinnung einschließlich einer Information von Mitgliedern und Dritten, sowie einer Öffentlichkeitsarbeit. Ebenso gehört die Entwicklung und Unterstützung von Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und umweltfreundlicher Mobilität, des Datenverkehrs und die Beschaffung von günstigen Energieleistungen für unsere Mitglieder dazu.
  3. Warum beteiligen sich Bürgerinnen und Bürger?
    Hier gibt es viele Gründe: Finanzielle Vorteile bei Bezug von Strom und Gas (BEGST-Tarif); Unterstützung der lokalen Wirtschaft und damit Förderung unserer Wertschöpfung direkt vor Ort; Zukunftssicherung der örtlichen Energie-Versorgung zu bezahlbaren Preisen; Geldanlage in sichere Anlageformen und Dividende.

Kontakt:

Bürger-Energie-Genossenschaft STeinfurt e. G.
Wilhelmsplatz 5
48565 Steinfurt

Telefon 
02551 / 1859651-0

Windpark Hollich und Bürgerwindpark

Erneuerbare Energien haben in der Bauernschaft Hollich bereits Tradition. 1980 waren hier schon die Energiewende-Pioniere aktiv und errichteten die ersten Wind- und Bioenergieanlagen. Daraus entwickelte sich die „Energielandschaft Hollich“ mit den Bürgerwindparks Hollich und Sellen, vier Biogasanlagen und einem Biogasleitungsnetz.

Der Windpark Hollich arbeitet nach den Leitlinien für Bürgerwindparks im Kreis Steinfurt und stand unter anderem Pate bei deren Entwicklung. Bürgerwindparks sind Windparks, an denen sich neben den Flächeneigentümerinnen und -eigentümern die ortsansässigen Bürgerinnen und Bürger und die Gemeinden oder kommunalen Einrichtungen konzeptionell und finanziell beteiligen können.

Jörg Tiemann
Drei Fragen an Jörg Tiemann (Geschäftsführer Bürgerwindpark Hollich und Sellen):

  1. Wer und was steckt hinter der „Energielandschaft Hollich“ und wie entstand diese Vorhaben?
    Hinter dem Windpark Hollich steckt ein Bürgerwindpark mit rund 230 Bürgern als Eigentümer, der 2001 entstanden ist und in fünf Bauabschnitten 19 Windenergieanlagen errichtet hat und betreibt.
    Hinter dem Bürgerwindpark Hollich Sellen steckt eine 2013 neu gegründet Gesellschaft, die in den beiden Steinfurter Bauerschaften Hollich und Sellen jeweils acht Windenergieanlagen für insgesamt € 80 Mio. errichtet. Rund € 15 Mio. Eigen- oder Bürgerkapital sollen im Laufe des Jahres 2016 von den Steinfurter Bürgern eingesammelt werden. Die Anteile sollen möglichst breit gestreut werden. Schön wäre, wenn man über 1000 Kommanditisten als Anleger bekommen würde.
    Zur Energielandschaft Hollich gehören darüber hinaus auch weitere Biogasanlagen, wie zum Beispiel die große Gemeinschaftsanlage Bioenergie Steinfurt mit angehängtem Wärmenetz, Ingenieurbüro und Brennholzhof.
  2. Warum beteiligen sich Bürgerinnen und Bürger?
    In einem Satz: Regionale Energieerzeugung und Wertschöpfung in Bürgerhand. Die Bürger suchen heute nach nachhaltigen und „sauberen“ Beteiligungsmöglichkeiten - möglichst in Sachwerten. Eine Windenergieanlage kann man sehen. Man kann dort zum Beispiel am Sonntag mit dem Rad hinfahren und sie anfassen und sagen: „Davon gehört ein Teil mir.“ Die Stromerzeug ist für den Bürger im Internet einsehbar.
    Die Geschäftsführung steht in der Gesellschafterversammlung (dem obersten Organ der Gesellschaft) dem einzelnen Anleger direkt von Angesicht zu Angesicht Rede und Antwort. Das schafft Vertrauen.
  3. Welchen Beitrag leisten die Windparks zum Klimaschutz?
    Unser Windpark spart jährlich insgesamt über 100.000 Tonnen CO₂ ein. Außerdem wirkt er am Ziel des Kreises Steinfurt mit, bis 2050 energieautark zu werden.
    Zusätzlich erhoffen wir uns durch Bürgerenergieprojekte nationale Vermehrung und Nachahmer und durch Deutschlands Energiewende einen weltweiten Anstoß, da gerade die Industrienationen eine hohe auch historische Verantwortung tragen.

Kontakt:

Bürgerwindpark Hollich Sellen GmbH & Co. KG
Hollich 70
48565 Steinfurt

Telefon 
02551 / 7017936

Energieberatung durch die Verbraucherzentrale

Ob und wie sich Maßnahmen und Investitionen finanziell lohnen ist nicht immer leicht zu entscheiden. Eine kostengünstige und unabhängige Beratung für jeden Einzelfall gibt es hier: Jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 14 und 18 Uhr können Bürgerinnen und Bürger sich rund um:

  • Möglichkeiten Energie zu sparen,
  • Fördermöglichkeiten für Heiztechniken und für Sanierungen,
  • Energiekosten und -Rechnungen,

informieren. Die Beratung kostet 5,00 Euro für 30 Minuten. Eine Voranmeldung ist nötig.

Kontakt:

Anmeldung Energieberatung
Telefon (geschäftlich):
02552 / 925-254

Unser Landstrom

Bis 2025 soll die Kreisstadt Steinfurt rein rechnerisch den gesamten Strombedarf ihrer Bürgerinnen und Bürger mit Strom aus erneuerbaren Quellen (wie zum Beispiel Windkraft), der in Steinfurt produziert wird, decken können. Das ist ein wichtiger Schritt für die regionale Umsetzung der Energiewende.

Gut zu wissen: Nicht nur „rein rechnerisch“ wäre es möglich, den Strombedarf in Steinfurt aus regenerativen und regionalen Quellen zu decken. Die Stadtwerke Greven, Ochtrup, Rheine und Steinfurt haben sich zusammengetan und das Produkt ‚Unser Landstrom‘ entwickelt. Wer Landstrom bezieht, bekommt Strom aus nachhaltigen und regionalen Quellen. Das stärkt die Region und den Klimaschutz.

Informieren Sie sich auf der Website von Unser Landstrom, wie Sie den Landstrom beziehen können.

Ulrich Ahlke
Drei Fragen an Ulrich Ahlke (Leiter Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit):

  1. Aus welcher Idee heraus ist Landstrom entstanden?
    Fast alles, was ich täglich brauche, erhalte ich in unserer direkten Umgebung. Dafür muss man keine Produkte vom anderen Ende der Welt beziehen. Wer Gemüse und Obst aus der Region kauft, trägt zum Klimaschutz bei. Wenn es ökologisch angebaut ist: umso besser. Was liegt näher, als auch den Strom, den wir tagtäglich brauchen, daher zu beziehen, wo er erzeugt wird?
    Unser Landstrom wurde mit dem deutschen Solarpreis 2012 ausgezeichnet. Die Idee entstand im Projekt „Zukunftskreis Steinfurt - energieautark 2050“ unter Federführung des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
  2. Warum entscheiden Steinfurterinnen und Steinfurter sich für Landstrom?
    Die regionale Energiemarke „Unser Landstrom“ versorgt Haushalte und Unternehmen mit nachhaltig erzeugtem Strom aus der Region. Bürgerinnen und Bürger schützen das Klima und stärken die heimische Wirtschaftskraft. Sie fördern so die dezentrale Energieversorgung, unterstützen Projekte für mehr Nachhaltigkeit und schonen die Umwelt. Auch der Preis für Landstrom ist konkurrenzfähig, so dass jedermann und -frau ihn beziehen kann.
  3. Beziehen Sie selbst auch Landstrom?
    Ich bin natürlich Kunde der ersten Stunde! Als Steinfurter und umweltbewusster Konsument stehe ich voll und ganz hinter Landstrom!

Arbeitsgruppe 2025 Umwelt & Energie (AG 2025)

Wie soll Steinfurt im Jahr 2025 aussehen? Was ist uns wichtig? Welche Ziele wollen wir erreicht haben und welche Schritte müssen hierfür eingeleitet werden? Zur Bearbeitung dieser Fragen wurden auf Initiative der Stadt mehrere Arbeitsgruppen gebildet. Diese Arbeitsgruppen haben zu den Themen „Miteinander leben“, „Tourismus“, „Wirtschaft“, „Bildung & Kultur“, „Umwelt & Energie“ erste Ziele und Maßnahmen formuliert.

Die Gruppe zu Umwelt & Energie setzt sich aus VertreterInnen der lokalen Energieerzeuger, Architekten, Ingenieurbüros, Handwerkerinnungen, Immobilienwirtschaft, VertreterInnen der Stadt sowie des Kreises zusammen. Bei regelmäßigen Treffen werden Projektideen ausgetauscht, konkretisiert und initiiert.

Rolf Echelmeyer
Drei Fragen an Rolf Echelmeyer (Geschäftsführer Stadtwerke Steinfurt):

  1. Welches Ziel verfolgt die AG 2025 Umwelt & Energie?
    In der AG 2025 treffen sich relevante Steinfurter Akteure, die sich mit Themen des Umweltschutzes und der Energieversorgung befassen. Sie bilden ein offenes Netzwerk zum Informationsaustausch, zur Projektbegleitung und -initiierung und zur Beratung der Gremien der Stadt.
  2. Was motiviert die Teilnehmer/Innen der Arbeitsgruppe?
    Jeder Teilnehmer der AG kann und soll von einer guten Umwelt- und Energiepolitik der Stadt profitieren. Sei es als Kommune, Handwerker, Energieerzeuger, Ingenieur, Klimaschützer oder Energieversorger. Die treibende Grundidee der AG ist die Verbindung ökologischer und ökonomischer Interessen.
  3. Welche Projekte möchten Sie im Rahmen der Arbeitsgruppe angehen?
    Wir haben besonders zwei Themen im Fokus: Die Wärmeversorgung Steinfurter Gebäude soll nachhaltig effizienter werden. Dazu werden alternative Wärmeerzeugungsanlagen wie zum Beispiel Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen oder solargestützte Heizungssysteme ebenso betrachtet wie Energiesparmaßnahmen.
    Ein zweites Ziel ist der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur von E-Ladesäulen und die Förderung der E-Mobilität.



 
 






Kontakte:

Lorenz Blume (Klimaschutzmanager)
Telefon 02552 / 925-254

Kreisstadt Steinfurt
Klimaschutzstelle
Emsdettener Straße 40
48565 Steinfurt
Öffnungszeiten:
Trennlinie