Rede der Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer am 21. Oktober 2015 anlässlich ihrer Vereidigung als erste hauptamtliche Bürgermeisterin der Kreisstadt Steinfurt.

Autor: Claudia Bögel-Hoyer (Bürgermeisterin)
Veröffentlicht am: 21.10.2015

Was für ein schöner Tag und wie schön, so viele Menschen heute hier im Rathaus zu sehen.

Herzlich willkommen!

Eine besondere Ehre ist es für mich, unseren Fürsten Christian zu Bentheim und Steinfurt und den Erbprinzen Carl Ferdinand zu Bentheim und Steinfurt heute hier begrüßen zu dürfen. Seien Sie herzlich willkommen Euer Durchlaucht!

Ein besonderer Willkommensgruß gilt natürlich auch unserem ehemaligen Bürgermeister Franz-Josef Brinkhaus und unserem ehemaligem Stadtdirektor Ernst-Werner Wortmann.

Wenn Sie mir vor einem Jahr gesagt hätten, dass ich ab heute Ihre neue Bürgermeisterin bin, so hätte ich es Ihnen wahrscheinlich nicht geglaubt. Ich weiß aber, dass es sich lohnt, für seine Ziele und Überzeugungen zu kämpfen. Auf anständige Art! Hart und fair.

In den letzten fünf Monaten habe ich unglaublich viele tolle und engagierte Menschen in Steinfurt kennengelernt.

Steinfurt ist meine Heimatstadt und ich nehme den Wählerauftrag sehr ernst. Die Bürger haben entschieden.

Mein Dank gilt allen, die mir ihr Vertrauen geschenkt und mich gewählt haben! Dafür hier und jetzt noch einmal ein HERZLICHES DANKESCHÖN!

Die Anderen hoffe ich, auf Dauer auch überzeugen zu können. Ich werde Sie nicht enttäuschen!!

Einen ganz besonderen Dank möchte ich allen aussprechen, die meinen Wahlkampf begleitet und Seite an Seite mit mir für das Erringen dieses Amtes gekämpft haben.

Die FDP Steinfurt, die GAL und nicht zuletzt viele Freundinnen und Freunde.

Mein lieber Mann und Wahlkampfmanager Ulrich Hoyer:
Ich danke Dir, mein lieber Schatz, für Deine tollen Ideen, Deinen immerwährenden Rückhalt und Deine Ausdauer und Geduld! Wir beiden haben immer gesagt: „Zusammen werden wir das schaffen!“

Meine liebe Schwester Anne und meinen lieben Schwager Gundolf, die mich so sehr unterstützt haben!

Und mein guter Junge, - Matthias-, mit dem ich so oft telefoniert habe, der mir immer zur Seite steht und der heute extra aus Berlin zu uns gekommen ist, um dabei zu sein.

Ich möchte auch meinen lieben ehemaligen Kollegen und Freund aus dem Deutschen Bundestag und gebürtigen Steinfurter, Klaus Breil, der noch am letzten Wahlkampfwochenende mit Kraft zum guten Ergebnis beigetragen hat, heute hier begrüßen! Schön, dass Du heute erneut aus Bayern hier her gekommen bist!

Der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt sagte einmal:
„Ich bin nicht erwählt, sondern gewählt.
….Und deshalb suche ich das Gespräch mit allen beteiligten demokratischen Parteien“

und genau das werde ich auch tun:
zum Wohle unserer Stadt!

Wir alle, die wir politisch tätig sind, sind einmal angetreten, um die Menschen und ihre Interessen zu vertreten und nicht um „parteicouleur“ zu betreiben.

Seit Mai habe ich 229 Termine bei Vereinen und Institutionen in unserer schönen Doppelstadt wahrgenommen. Die meisten davon, ohne Presseartikel oder Fotos zu veröffentlichen. Ich wollte die Menschen wirklich persönlich kennenlernen. Nur, wer die Menschen trifft und kennt, kann sie auch vertreten.

„Hören, was ist. Machen, was geht!"

Das gilt auch für die vielen guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Hause, unserer Verwaltung!

Mein Ziel ist, jeden Mitarbeiter persönlich kennenzulernen. Jeder ist anders, jeder hat das Recht, beachtet, ernst genommen und vor allem auch mal gelobt zu werden. Ich werde nicht regieren, sondern mit Ihnen zusammenarbeiten. Teamarbeit und Menschlichkeit sind meine oberen Ziele! Ich freue mich auf Sie alle!

Mein Lebensmotto lautet:
„Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu!“

Jeder von Ihnen ist wichtig, da wo er steht, da wo er arbeitet. Vom 1,00 Euro-Jobber bis zur Führungsetage. Ich schätze Sie! Ihre Meinung ist mir wichtig!
Ich biete Ihnen an, jederzeit für Sie ein offenes Ohr zu haben und das gilt auch für unsere Bürgerinnen und Bürger!

Ich fordere Sie auf:
rufen Sie mich an, kommen Sie vorbei, und sprechen wir miteinander statt übereinander!

Allerdings:
„Ich will nicht wissen, was nicht geht, ich will wissen, was geht!“ Denn, wir brauchen Lösungen statt Losungen! Wir brauchen das Mitmachen der Bevölkerung und aller Institutionen in unserer Stadt.

Darum hat es auch schon in der vorletzten Woche den Hilferuf an die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt gegeben, in der Flüchtlingsfrage eigene Vorschläge zu machen.

Wenn alle mitdenken und handeln, kommt immer mehr dabei heraus,als wenn das nur einige Wenige tun.

Ich könnte heute über die schlechte finanzielle Situation, über die Bäder und die Schulen, über die Sauberkeit in unserer Stadt, den Zustand mancher Straßen zu Ihnen sprechen. Nur, das wissen Sie ja alles selbst. Deshalb konzentriere ich mich auf die große Herausforderung in unserer Stadt.

John Lennon von den Beatles hat einmal gesagt: „Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, deine Pläne zu machen!“

Auf gut deutsch: Es kommt erstens anders und zweitens als man denkt!

Es kam sicherlich für die Menschen in Syrien ganz anders, als sie dachten:

Es kam ein grausamer Bürgerkrieg, in dem ohne Rücksicht auf Verluste drei Seiten aufeinander losgingen:
- die Rebellen gegen den Diktator
- der Diktator gegen die Rebellen und gegen die eigene Bevölkerung, angeblich sogar mit Giftgas,
- und der IS gegen alle mit unvorstellbarer Grausamkeit.

Inzwischen stehen sich die beiden Supermächte in Syrien auf den unterschiedlichen Seiten gefährlich nah gegenüber.

Wer von uns würde in solchen Zuständen leben wollen?

Wie die Politik damit umgeht, entscheidet sich im Deutschen Bundestag in Berlin. Und dafür gibt es gewählte Bundestagsabgeordnete, auch aus dieser Region! Auch aus den Parteien dieses Rates.

Hier in Steinfurt stellt sich nicht die Frage, ob die Flüchtlinge kommen sollen. Sie kommen und werden uns zugeteilt! Ob wir wollen oder nicht.

Bundespräsident Gauck brachte es auf den Punkt:
„Unsere Herzen sind offen, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“

Wir hier vor Ort haben in dieser Frage nur eine Antwort zu geben: 
Wie gehen wir menschenwürdig und anständig mit dieser gewaltigen Herausforderung um.

Und:
gelingt es uns allen gemeinsam, eine Situation der Achtung und Toleranz in Steinfurt zu erhalten, damit wir alle weiterhin gern in unserer Stadt leben und arbeiten.

Bei den Menschen aus Syrien handelt es sich nämlich um Vertriebene, die nicht mehr besitzen als ihr Leben, und nicht mehr als das, was sie am Leib tragen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die große Anzahl der Menschen aus sicheren Drittstaaten ganz schnell wieder zurückgeschickt werden müssen, damit wir genug Platz für die wirklich Verfolgten haben. Und das wird schon schwer genug!

All das, was wir heute im Nahen Osten erleben, haben unsere Vorfahren Jahrhunderte lang auch in Europa durchgemacht. Zum Schluss in zwei furchtbaren Weltkriegen.

Die weise und phantastische Friedensantwort darauf ist das vereinte Europa. Diese oft gescholtene EU ist bisher der Garant für Frieden, Freiheit und Wohlstand.

Beten, hoffen und tun wir alles dafür, dass sich diese Einsicht auch bei den verfeindeten Menschen in der übrigen Welt auf Dauer durchsetzt.

Nur wenn es den Menschen in Syrien wieder gut geht, geht es ihrem Land wieder gut.
Nur, wenn es den Menschen hier in Steinfurt gut geht, geht es unserer Stadt gut.

Ich bin mir ganz sicher, dass Bürger, Rat und Verwaltung die größte Herausforderung seit Ende des 2. Weltkrieges meistern werden, wenn wir gemeinsam an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen.

1949 kamen 12 Millionen Flüchtlinge in unser zerstörtes Land und unsere Eltern- und Großeltern haben das gepackt.

In Städten wie unserer entscheidet sich, ob wir das Auseinanderdriften der Gesellschaft in arm und reich, in Menschen mit und ohne Arbeitsplatz, in jung und alt, in Mehrheiten und Minderheiten gestalten können.
In Städten wie Steinfurt entscheidet sich, ob die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion funktioniert.
In Städten wie Steinfurt entscheidet sich, ob wir die Spaltung der Gesellschaft verhindern können.
In Städten wie unserer entscheidet sich, ob wir unser Gemeinwesen so erhalten können, dass es wirtschaftlich effizient, sozial verträglich und finanziell überlebensfähig bleibt.

Dazu brauchen wir alle relevanten Akteure
aus Politik,
aus Wirtschaft,
aus Kultur,
aus Vereinen und Verbänden,
den Kirchen,
den muslimischen Gemeinden
und den Schulen.

Lassen Sie mich aus aktuellem Anlass noch etwas ganz Wichtiges hinzufügen:
Auf die neue Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, wurde auf offener Straße im Wahlkampf ein Mordanschlag verübt, der uns alle bis ins Mark getroffen hat. Gott sei Dank hat sie ihn überlebt. Die Reaktion der Bevölkerung war grandios: Jetzt erst recht (!!), wir lassen uns von Rechtsradikalen nicht einschüchtern und möchten unsere Freiheit behalten und bewahren!

Bei uns in Steinfurt setzen Menschen auch Zeichen! Viele, melden sich, um zu helfen, um Lotse zu sein, um Dinge zu spenden, um einfach für andere da zu sein.

An dieser Stelle dazu meinen ganz, ganz herzlichen Dank! Ich freue mich und bin stolz darauf in solch einer offenen und freundlichen Stadt zu leben.

Doch: Es ist wichtig, dass wir unsere einheimischen Bürgerinnen und Bürger in diesen Prozess einbinden. Daher habe ich angeregt, möglichst zu Beginn in meiner Amtszeit, eine Bürgerversammlung stattfinden zu lassen, um Missverständnisse auszuräumen und Ideen aufzunehmen.


Der griechische Philosoph Platon hat bereits vor 2.400 Jahren gesagt:
„Wenn die Guten nicht kämpfen siegen die Schlechten!“

Also, halten wir zusammen und kämpfen wir als Gute!

Was wir jetzt brauchen, sind Ihre guten Ideen und Ihr Engagement für unsere Stadt.
Was wir jetzt brauchen, sind auch die Ideen unserer jungen Menschen.

Junge Menschen sichern die Zukunft unserer Stadt. Mir liegen sie besonders am Herzen. Ich möchte, dass Sie sich hier wohl fühlen und bleiben. Damit Ihnen Gehör geschenkt wird, setze ich mich für einen Jugendbeirat ein!

Lassen Sie uns neue Ideen nicht bereits im Keim ersticken, nur weil sie nicht von uns kommen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine offene, freie und faire Diskussionskultur eintreten. Wir dürfen uns nicht scheuen, auch Rat von außen einzuholen, bevor wir uns selbst eine Meinung bilden. Unsere gemeinsame Aufgabe heißt Steinfurt.

Albert Einstein hat mal gesagt:
„Probleme lassen sich niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind!“

Ich füge hinzu:
Neue Ziele und Anforderungen brauchen auch neue Wege. Die alten Wege führen immer zu den alten Zielen.

Ich setze dabei auf Dialog. So können Sie davon ausgehen,

  • dass meine Handynummer Bestand hat,
  • dass meine Bürgersprechstunden in beiden Ortsteilen stattfinden werden und nicht nur alle vier Wochen,
  • dass ich auch Kindersprechstunden abhalten werde,
  • dass mein Pavillon auch immer mal wieder auf dem Marktplatz stehen wird.

Gern lade ich dazu übrigens die Politik dazu ein!

Mit frischem Wind und Zuversicht können wir auch die neuen Herausforderungen meistern, wenn wir es selbst nur wollen!

Denn Goethe sagt:
Erfolg hat nur 3 Buchstaben: T - U - N

Ich bin eine Frau der Tat! Leeres Drumherumreden bringt uns nicht weiter! Prozesse müssen beschleunigt werden! Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn diese Entscheidungen das eine oder andere Mal weh tun! Es jedem recht zu machen, ist nicht möglich! Ich habe keine Angst und ich freue mich auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten!

Lassen Sie mich meine Rede schließen mit einem Dank an CDU, SPD, Bündnis 90/die Grünen, FWS und Die Linke für den fairen Umgang im Wahlkampf.
Mit einem Dank an die Presse, die diesen für mich fünfmonatigen Wahlkampf fair und engagiert begleitet hat.
Und mit einem Dank an den bisherigen Bürgermeister Andreas Hoge, der für unsere Stadt 11 Jahre mit viel Kraft gearbeitet hat!

Und nun darf ich -als Ihre neue Bürgermeisterin- die Sondersitzung des Stadtrates offiziell schließen!

Es gibt genug zu tun. Packen wir´s an!

Herzlichen Dank und Glück auf für unsere Stadt!